Anschauliche Wege zum Größenvergleich von Brüchen

Frank Reinhold & Kristina Reis (Freiburg & München)

DOI:https://doi.org/10.4119/bupraktisch-3321

Abtsract:

Bruchrechnen stellt für Schülerinnen und Schüler eine zum Teil erhebliche Herausforderung beim Mathematiklernen in der Sekundarstufe dar. Gerade beim Größenvergleich herrschen häufig typische Fehler vor. Dafür gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze, etwa den Rückgriff auf Konzepte natürlicher Zahlen – wie etwa die Existenz eines eindeutigen Nachfolgers – die im Zahlbereich der rationalen Zahlen ihre Tragfähigkeit verlieren. Ein Fokus auf den Vergleich mittels einer regelbasierten Gleicher-Nenner-Strategie, in der der Vergleich rein durch die Anwendung einer formalen und syntaktischen Regel geschieht, erscheint in diesem Zusammenhang ungünstig, da sie aus verschiedenen Gründen fehleranfällig ist. Wir schlagen daher ein Strategienrepertoire mit anschaulichem Zugang zum Größenvergleich vor, den wir in einer Interventionsstudie mit 476 Schülerinnen und Schülern in der sechsten Klasse am Gymnasium erprobt und evaluiert haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Lernende ein größeres Repertoire an Vergleichsstrategien nutzten, nachdem ihnen dafür Lerngelegenheiten im Mathematikunterricht angeboten wurden. Das breitere Strategienrepertoire wirkt sich zudem positiv auf die Fähigkeit aus, Bruchzahlen zu vergleichen. Wir schließen uns damit zahlreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an und plädieren gegen den Versuch einer nur scheinbaren Vereinfachung des Größenvergleichs durch eine ausschließliche Behandlung regelbasierter Strategien im Mathematikunterricht.

Volltext


Veröffentlicht: 2020-06-12


Lizenz